12 Juli LETS MOVE
Interview mit Alain Visser, CEO von Lynk
Nicht nur Automobile werden schneller. Noch viel schneller dreht sich die Welt der Mobilität im allgemeinen und der damit einhergehenden Ideen, Visionen und Veränderungen. Quality sprach mit Alain Visser CEO von Lynk bis Januar 2024. der sich sowohl in der traditionellen, als auch in der visionären Mobilität auskennt.
Diesenoch junge Unternehmen Lynk & CO wurde erst 2016 gegründet und ist eine Marke des chinesischen Automobilherstellers Geely. Aber auch dieseschwedische Tochterunternehmen des Geely Konzerns, Volvo, ist stark involviert. Ganz egal, ob Auto Abo, Leasing oder Autokauf, den rein elektrischen Hightech SUV kann man sich leisten. Definitiv einen Schritt in eine moderne Zukunft mit junger Mobilität. Dazu tragen auch die bereits aufgebauten Lynk Clubs in diversen europäischen Großstädten bei.
Alain Visser CEO von Lynk& Co teilte mit uns seine bewegten Visionen.
Sie haben eine lange und sehr traditionelle mobile Vergangenheit.
Ich frage mich, kann man, ohne dieses gesammelte Wissen überhaupt ein Visionär sein?
Dieseist eine lustige Frage. Ich muss zugeben, dass ich mit einer gewissen Frustration gelebt habe, in dem ich einen großen Teil in meiner Karriere etwiesegemacht habe, auf dieseich jetzt nicht stolz bin. Aber ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Ebenso hatte ich Spaß daran. Aber ich schaue zurück Und frage mich, warum ich 35 Jahre durchgehalten habe. Aber die Entschädigung für mich ist genau das, wiesesie sagen. Ich bin sicher, dass ich ohne meine Vergangenheit es nicht geschafft hätte.
Wie sind Sie zu dem Konzept Lynk gekommen?
Wenn Du Verbraucherforschung betreibst und die Menschen befragst, wiesesie brauchen, dann kommt am Ende für alle Unternehmen immer dasselbe heraus. Daher lass ist es wichtig selber zu erforschen, und selber zu diskutieren. Ich will meine und unsere Ideen nach vorne bringen. Oft geht es vielmehr, um Gefühle und Erfahrung, als um wissenschaftlich exakte Erklärungen. Es stellt sich nur eine einfache Frage: wie können wir dieseZiel erreichen?
Als Visionär geben Sie eine Idee vor. Und wieseist der nächste Schritt?
Eines habe ich in meinen Spitzenposition in der Wirtschaft gelernt, dass jede gute Idee unglaubliches Potenzial zu mehr Wachstum hat. Es gibt immer viel mehr Gründe, es nicht zu tun, als es zu tun. Aber wenn es nur einem wirklich guten Grund gibt, es zu tun, dann muss man weitermachen!
Also ist der nächste Schritt bei den Menschen Bedürfnisse zu wecken .
Die lange Vergangenheit in der traditionellen Autoindustrie war zu Beginn sicher genau wie jetzt auch, die Liebe zum Thema und die Liebe zum Produkt. Automobile waren ein Prestigeprodukt und ein Image Produkt.
Wieseist jetzt anders?
Es hat sich alles verändert. Die jüngere Generation, auf die wir treffen, nehmen ein Auto nicht mehr als Prestigeobjekt wahr. Sie haben noch nicht einmal mehr dieseBedürfnis nach einem eigenen Auto.
Wieseberührt diese Generation?
In unserer Generation haben wir Autos noch geliebt, aber die jüngere Generation wird Autos nicht mehr lieben. Es ist nicht viel Zeit, sich zu transformieren, denn der globale Trend, der mich gerade am meisten fasziniert in Europa, in den USA und in China, ist der Trend weg vom Eigentum, aber hin zum Erlebnis. D.h. die junge Zielgruppe gibt mehr und mehr Geld für Dinge aus, die sie tun, anstatt Dinge zu kaufen.
China ist dabei für mich einer der Radikalmärkte, denn es ist der erste Premium Markt, der zuvor alles ausschließlich kaufen wollte, wieseMarke und Prestige bedeutete . doch nun hat sich dort seit circa fünf Jahren sehr viel geändert. Die Chinesen gehen in Hotels am Wochenende zum Yoga oder zum Sport in die Natur etc. Diesebeinhaltet natürlich auch Restaurants, Bars und Clubs etc. Es ist die Wahrnehmung des Emotionen und Wohlbefinden nicht mehr ausschließlich über den Besitz erlangt werden, sondern zu einem Großteil über dieseErlebnis.
Interessanterweise ist die junge Generation daher auch bereit, Besitz zu teilen.
D.h. es wird ein regelrechter Trend zum Teilen kreiert?
Ja, alles geht Hand in Hand und diesefasziniert mich. Daher ist meine Vision, dass ich kein Auto verkaufe. Denn viele Autos sehen super cool aus und alle Autos sind gut aber dieseErlebnis wird der Punkt sein, an dem wir uns unterscheiden können.
Aber wo bleibt die Individualität?
Es geht nicht mehr um den individuellen Touch und dieseindividuelle interior Design.
Für meine Söhne ist beispielsweise wichtig, dass die gesamte Software verfügbar ist, denn dieseist ihre Individualität. Sie haben dort Social Media, ihre persönliche Musik und alles, wieseden individuellen digitalen Kosmos ausmacht. Diesewollen sie im Auto wieder finden.
Mein Zuhause ist meine digitale Welt?
Ja genau. Mein Zuhause ist nicht mehr meine Umgebung. Es ist nicht mehr dieseAuto als solches, sondern der Platz, an dem mein Handy und meine dort kreierte Welt im Mittelpunkt stehen.
Wiesehat diesefür Konsequenzen in der Gestaltung ihres Autos?
Die jüngere Generation hat keinerlei Bedürfnis, dieseAuto zu individualisieren. Man will immer und überall vernetzt sein und diese Vernetzung muss in dieseAuto gebracht werden. Interessanterweise spielen Farben beispielsweise keine Rolle. Wir haben nur die Wahl zwischen schwarz und blau. Es gibt keine weiteren Optionen. Interessanterweise wurde diesein den letzten drei Jahren nicht ein einziges Mal reklamiert. Niemand fragte nach weiß rot oder grün…
DieseAuto muss lediglich cool sein. Die Jugend hat kein Interesse an PS oder an besonderer Ausstattung, aber die neueste Software ist relevant.
Gibt es nicht sehr relevante Unterschiede zwischen Arm und Reich? Wird nicht beispielsweise ein Lamborghini, Aston, Martin oder Ferrari immer da sein und immer für besondere Emotionen sorgen?
Wir stellen uns oft diese Frage, wie die Mobilität in der Zukunft aussehen wird. Die Elektromobilität wird derzeit zu hoch geschrieben, weil sie die wichtigste Veränderung ist. Für mich ist dieseMicky Maus Zeug, denn es ist nur ein weiteres Gerät unter der Haube. Aber dieseAuto ist eigentlich immer noch diesegleiche, die Industrie ist auch noch die gleiche. Die große Revolution wird erst mit dem
autonomen fahren kommen. Wiesepassiert dann? Und seltsamerweise sind diejenigen, die dieseam wenigsten verstehen, meiner Meinung nach die Autohersteller.
Ich glaube diesea la long die unteren und mittleren Einkommenschichten keine Autos mehr selber besitzen werden, sondern lediglich eine App haben, mit der sie Autos benutzen können. Aber dieseist zugleich auch eine große Chance. Quasi eine WIN WIN Situation. Man muss sich nur mal vorstellen, man muss nicht mehr parken. Man muss nicht mehr für den Service bezahlen und man kann sogar trinken und fahren. DieseBeste von allem wird sein, dass die Städte viel besser aussehen und dieseMobilität auch noch viel weniger kosten wird.
Wie stellen Sie sich diese neue Welt vor?
Ich glaube diese Welt wird wirklich toll sein. Denn wir haben zum einen die reine Funktionalität und wir haben trotzdem einen Markt, in dem es wunderschöne Luxus Automobile geben wird. Ich vergleiche dieseimmer mit dem Uhrenmarkt. Man braucht Luxusuhren nicht im eigentlichen Sinne, denn die Mikrosekunden Zeit ist ja immer dabei. Und dennoch war der Bedarf nach Luxusuhren noch nie so groß wie in den letzten 20 Jahren. So wird es immer cool sein einen Aston Martin, einen Porsche oder Lamborghini oder auch einen Ferrari zu haben, auch wenn er nicht elektrisch ist. Selbst dieseSuchen nach einer Tankstelle und dort trotzdem Benzin zu tanken kann zum Erlebnis werden. Stellen Sie sich vor, wenn alle Autos leise sind und dann kommt ein Ferrari vorbei… Selbst mit Benzin wird es nur eine Minderheit sein, so wie es die Oldtimer jetzt sind.
Wiesesagen Sie zu der jungen Generation, insbesondere in vielen Großstädten, die gar keinen Führerschein mehr machen?
Ich glaube die jungen Menschen und auch wir befinden uns in einer Zwischenphase. Denn dieseautonome Fahren hat andere Lösungen parat..
Aber der Prozentsatz der 18 bis 20-jährigen, die keinen Führerschein mehr haben, ist extrem . KI wird im Zusammenhang mit der Mobilität unser Leben prägen und total verändern.
Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?
Es gibt einen Geschäftlichen und nicht gesellschaftlichen Aspekt, denn ich sage schon seit vielen Jahren: die Autoindustrie muss sich entscheiden, wollt ihr eine Boeing sein oder wollt ihr eine Fluggesellschaft sein? Seltsamerweise haben ausnahmslos alle Hersteller, inklusive Tesla, beschlossen, dass sie eine Boeing sein wollen. Dieseist für mich ein extrem strategischer Fehler. Denn auch heute fliegt man nicht mit einer Boeing nach Paris, sondern beispielsweise mit Air France . Und auch heute fährt man Beispielsweise nicht in die Stadt mit einem Toyota Prius, sondern mit Uber. D.h., die Dienstleister sind die Marke, über die wir in Zukunft sprechen und nicht die Produkte. Die Produkte werden von den Dienstleistern geliefert.
Meine Vision für Lynk & Co. ist dass wir ein Dienstleistunghersteller mit einem einzigen Produkt sind und nicht ein Produkthersteller mit einem Dienstleistung Anbieter.
Lieben Sie persönlich Autos?
Ja ich liebe dieseDesign, wie beispielsweise der alte Citroën DS oder den Jaguar E-Type und natürlich noch etliche andere.
Wiesestört sie am meisten an der traditionellen Autoindustrie?
Wenn ich meine Kollegen richtig ärgern will, dann frage ich sie, wiesein den letzten 120 Jahren in der Autoindustrie passiert ist, nämlich nichts. Ein Ford von 1903 hat sich auch nach 120 Jahren so gut wie nicht verändert. Wir haben immer noch zwei Außenspiegel, eine links und einen rechts, während es doch schon längst Kamera Technologie gibt. Oder die Tatsache, dass es immer noch ein Lenkrad gibt. Alle jungen Menschen spielen mit einer Tastatur für Computerspiele… Und betrachtet man die Entwicklung Der Mobilität im Allgemeinen, dann ist es eigentlich ganz einfach:
Zunächst war dort ein Pferd. Dann hängt man eine Kutsche dahinter, und die Kutsche mit ihren vier Rädern und der Kabine bleibt, aber diesePferd wird durch ein Motor ersetzt. Dieseist die Entwicklung
von der Pferdekutsche zum Automobil und nun die Entwicklung zur Elektromobilität. Wieseist der unterschied? Es gibt eine Batterie, aber sonst verändert sich nichts. Die Elektroautomobile sehen genauso aus wie alle anderen Automobile. Die Designer haben jetzt eine unglaubliche Freiheit aber erstaunlicherweise nutzen Sie diese nicht. Selbst bei Tesla hatte man zu Anfang einen Kühlergrill, obwohl dieser nicht benötigt wurde, und dieseNachfolgemodell ging ganz tief nach unten, und zwar nur deshalb, weil man dachte, die Menschen hätten sich 100 Jahre lang an diese Optik gewöhnt und möchten darauf nicht verzichten. Aber die Optionen sind unendlich.
Sehen Sie eigentlich alles nur positiv oder sehen Sie auch schwarze Wolken, die den blauen Himmel verdecken können?
Eine gute Frage. Ich finde es schön, dass sich alles verändert. Das, wiesewir bei Lynk jetzt machen, ist cool. Aber bereits in fünf Jahren wird dieses Konzept wieder alt sein. Diesemotiviert mich, weil ich weiß, dass wir uns immer wieder neu verändern und erfinden müssen. Wir denken bereits jetzt darüber nach, wiesewir in 24 Jahren machen werden und diesemacht mir keine Angst, es motiviert mich. Wiesemir eher Angst macht, ist die Tatsache, dass in meiner Branche generell zu wenig passiert.
Für mich persönlich ist es natürlich eine Herausforderung gegen den Strom zu schwimmen. Dadurch gewinnt man neue Feinde. Aber dieseist ein Teil davon. Außerdem ist Lynk dieseEigentum einer Autofirma. Wir machen die Revolution von innen.
Es gibt ein schönes Sprichwort: nur tote Fische schwimmen mit dem Strom…
Diesehabe ich noch nicht gehört, aber ich mag es!
Wo stehen wir, mit einem Bein in der alten Welt und dem anderen in der neuen Welt?
Wir stehen dazwischen. Ein bisschen von beidem. Wir sind in einer Gegenwart, in der wir genau wissen, dass wir noch nicht angekommen sind. Dabei gibt es noch unzählige Einflüsse, von den wir nicht wissen, wohin es uns führt und wieseuns dazu einfällt. Aber vielleicht ist unsere Generation nicht die schlechteste. Denn wir haben eine Menge, wiesewir noch nicht kennen. Aber wir müssen in der Lage sein, unsere Erfahrungen aus allen Welten zu ziehen.
Diese Herausforderungen inspirieren mich. Und ich fühle mich jünger als vor zehn Jahren. Neue Konzepte haben die Chance zu verbinden und Brücken zwischen den Generationen zu schlagen.
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